Das Japanische Hochschulsystem

Das japanische Hochschulsystem
Bereits im 7. Jhdt. wurde die erste akademische Einrichtung gegründet. Bis zum 12. Jhdt. erfuhr der Bildungssektor eine Blütezeit, die von Korea und China beeinflusst wurde und eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung der modernen Bildungslandschaft in Japan darstellt.

Die Geschichte des japanischen Hochschulwesens beginnt jedoch in der Meiji-Zeit (1868 – 1912), in der wichtige Grundlagen für die aktuelle Bildungslandschaft Japans gelegt wurden. Im Zuge der innenpolitischen Unruhen und der außenpolitischen Bedrohung bestand eines der Hauptziele der Meiji-Regierung in einer politischen, wirtschaftlichen und militärischen Stärkung Japans, was bereits 1871 zur Bildung eines Erziehungsministeriums führte. Einflüsse europäischer Länder (vor allem Frankreichs und Preußens) wurden in das neugestaltete Bildungswesen integriert. 1877 wurde die erste kaiserliche Universität in Tokio gegründet, die sich ausschließlich westlichen Studien widmen sollte. Es folgten weitere Gründungen in Kyôto, Tôhoku, Kyûshû usw. Neben den staatlichen wurden in dieser Zeit auch die ersten privaten Universitäten gegründet, die den Universitätsstatus jedoch erst ab 1918 beantragen konnten. Nach Ende des 2. Weltkriegs und unter dem Einfluss der amerikanischen Besatzung kam es zu einer Reform des Bildungssystems, in der u.a. die neunjährige Schulpflicht eingeführt wurde. Seit dieser Zeit sind mit der großen Zahl von Neugründungen mittlerweile sehr unterschiedlich strukturierte Einrichtungen des tertiären Bereichs entstanden. Insgesamt gibt es 1.243 Hochschulen mit etwas mehr als 3 Mio. eingeschriebenen Studierenden, wobei man im wesentlichen vier verschiedene Hochschultypen unterscheiden kann:

  • Sog. Kurzuniversitäten (Tanki Daigaku / Junior Colleges, seit 1965), deren überwiegend zweijährige Programme meist Kurse in den Geistes- und Sozialwissenschaften anbieten und zu etwa 60% ausschließlich für Frauen bestimmt sind. Zu diesem Typus zählt eine Partneruniversität der Universität des Saarlandes, das Doshisha Women’s College of Liberal Arts in Kyôto.
  • Technische Fachhochschulen (Kôtô senmon gakkô / Colleges of Technology, seit 1962), vermitteln technisches Wissen in Fünfjahreskursen, von denen drei Jahre im Sekundarbereich angesiedelt sind, ein Mittelschulabschluss als Zugang also ausreichend ist.
  • Die Special Training Colleges (Senmon gakkô) mit ihrer eher praxisorientierten Ausbildung bilden die größte Gruppe innerhalb des japanischen Hochschulsektors. Die Ausbildung dauert zwischen ein und drei Jahren.
  • Universitäten (Daigaku): Neben der großen Anzahl an Volluniversitäten, die auch ein Graduiertenstudium anbieten (Graduate Schools) und mit einem zweijährigen Master abschließen (shûshi), gibt es Universitäten, die nur den undergraduate Bereich mit einem Bachelor-Grad (gakushi) anbieten und vier Jahre Studium erfordern. In den medizinischen Fächern dauert die Ausbildung sechs Jahre, die anschließende Promotion (hakushi) weitere vier Jahre (regulär drei).

Grundsätzlich werden staatliche, dem japanischen Erziehungsministerium (Monbu kagaku shô, abgekürzt: Monkashô) und einigen Lokalregierungen unterstellte Einrichtungen von privaten unterschieden. Innerhalb der einzelnen Gruppen sind erhebliche Größenunterschiede erkennbar: So reichen die Studierendenzahlen einzelner Hochschulen von einigen hundert bis zu über 70.000. Die Gesamtzahl aller tertiärer Bildungseinrichtungen zusammen wird mit über 4.000 angegeben.


Die staatlichen Hochschulen
Unter den 143 staatlichen Hochschulen, zu denen im weiteren Sinne noch die 124 ebenfalls aus öffentlichen Mitteln getragenen städtischen und Präfektur-Hochschulen zu zählen sind, haben die ehemals kaiserlichen Hochschulen in Tôkyô, Kyôto, Sendai, Fukuoka, Sapporo, Ôsaka und Nagoya noch immer einen besonders guten Ruf. Sie heben sich teilweise von den inzwischen in allen Präfekturen vergleichbaren staatlichen Einrichtungen durch die Anzahl ihrer Fakultäten und angebotener Studiengänge, der Forschungsinstitute, der Qualität der Lehrenden und Studierenden wie auch durch ihren Grundbesitz und die Bausubstanz ab. In dieser Spitzengruppe finden sich ebenfalls die fachorientierten Hochschulen für Kunst und Musik in Tôkyô, die auf Wirtschaft und Recht spezialisierte Hitotsubashi-Universität in Tôkyô und die 1974 gegründete Reformuniversität Tsukuba.

Die Qualität der übrigen staatlichen Hochschulen ist durch die staatliche Finanzierung und vergleichsweise strikte Kontrolle durch das Monkashô ausgewogen. Außerdem gibt es seit 1991 eine nationale Akkreditierungsbehörde (NIAD-UE), die über den Standard der angebotenen Programme und Abschlüsse wacht.


Die privaten Hochschulen
Da die Genehmigung zur Gründung einer privaten Hochschule bis in die jüngste Vergangenheit relativ leicht vom Monkashô erhältlich war, sind im Zuge der Bildungsexpansion sehr unterschiedliche Einrichtungen dieser Art entstanden. Staatliche Gelder spielen mit ca. 10% bei der Finanzierung eine untergeordnete Rolle, so dass die Qualität der Universität insgesamt eher vom Aufkommen durch Gebühren und Spenden bestimmt wird. Die Studien-, Eintritts- und Prüfungsgebühren liegen wesentlich höher als die staatlicher Universitäten. Das Zahlenverhältnis zwischen Professor/inn/en und Studierenden ist generell ungünstiger, jedoch können die privaten Universitäten durch das höhere Emeritierungsalter ihrer Professoren (manchmal bis zu 75 Jahre im Vergleich zu maximal 62 Jahren) und durch zahlreiche Gastdozenturen von Lehrkräften staatlicher Hochschulen einen gewissen Ausgleich schaffen.

Obwohl einige private Universitäten einen den staatlichen Hochschulen vergleichbaren Rang einnehmen, ist der Andrang auf letztere wesentlich größer. Viele Bewerber nehmen nur an den privaten Eingangsprüfungen teil, um im Falle der Ablehnung durch eine staatliche Universität überhaupt studieren zu können. Zu den hochrangigen privaten Universitäten gehören vor allem die Ritsumeikan University in Kyôto und die Keiô University in Tôkyô, die älteste Privatuniversität in Japan. Beide Universitäten sind auch Partneruniversitäten der Universität des Saarlandes.

Bei der Anstellung von (ausländischen) Lehrkräften, im internationalen Verkehr mit Universitäten und in der Forschung sind private Universitäten oft wesentlich flexibler als ihre staatlichen Gegenstücke, da sie freier mit ihren Ressourcen haushalten können und auch inhaltlich weniger der staatlichen Kontrolle unterliegen. Derzeit wird an 976 privaten Hochschulen gelehrt. Die Ergebnisse der vor fast 20 Jahren begonnenen Reformbemühungen sind in den Musterneugründungen von Nagaoka, Toyohashi und vor allem der staatlichen Universität Tsukuba zu erkennen, die bereits jetzt (nicht nur in Bezug auf die Lehre der japanischen Sprache) in die Spitzengruppe der japanischen Universitäten aufgestiegen ist. Die demographische Entwicklung Japans lässt weitere Neugründungen jedoch nicht mehr erwarten.
Die Einrichtung zweier Wissenschaftsstädte (Tsukuba und Kansai Science City im Städtdreieck Kyôto-Nara-Ōsaka) war ebenfalls erfolgreich und wird mit Vorrang weiter betrieben. So wurde z.B. 1994 in der Kansai Science City das supermoderne Keihanna Plaza als Communication Center of Science eröffnet. Eine weitere derartige Ansammlung von Forschung und Lehre entstand in der Präfektur Chiba. Schließlich spielt die Einrichtung von Technologiezentren (Technopolis) eine wichtige Rolle in der Entwicklung von Hochschule und Forschung.


Forschungspolitik und Forschungsinstitute
Die Ausgaben Japans für Forschung und Entwicklung betrugen 2009 fast 14 Mrd. US$. Etwa 80% der Forschungsaufwendungen werden vom privaten Sektor erbracht, entsprechend wird vor allem anwendungsbezogene Forschung betrieben.
Forschung und Lehre sind in Japan stärker getrennt als in Deutschland. Junge japanische Wissenschaftler/innen führten ihre Forschung relativ isoliert und mit minimalem Kontakt zur internationalen Wissenschaft durch. Oft boten lediglich Tagungen fachbezogener Gesellschaften eine Kontaktmöglichkeit zu Kolleg/inn/en. Beeinflusst durch globale Trends hat sich diese Haltung jedoch grundlegend verändert. Zwar ist die existierende internationale Zusammenarbeit nach wie vor stark auf die USA ausgerichtet, aber ein wichtiges Reformziel der japanischen Hochschulpolitik liegt gegenwärtig in der Internationalisierung der Hochschulen, nicht zuletzt durch die Erhöhung der Anzahl der ausländischen Studierenden. Um den internationalen Austausch zu fördern, hat die japanische Regierung eine Anzahl interuniversitärer Forschungsinstitutionen geschaffen, die selbst hochschulähnlichen Status haben und allen Wissenschaftler/inn/en offenstehen. Sie ergänzen die ca. 70 staatlichen Forschungsinstitute an Universitäten (von denen mindestens 12 in ähnlicher Weise zugänglich sind) und die über 500 Forschungseinrichtungen privater Hochschulen. Verzeichnisse von Forschungsinstituten finden sich in Japanese Colleges and Universities und (für alle Forschungsinstitute, die nicht dem Erziehungsministerium unterstehen) in National Laboratories and Research Public Corporations in Japan.

In den Instituten, die anderen Ministerien als dem Monkashô sowie der Industrie unterstehen, wird ein wichtiger Teil der angewandten technologischen, naturwissenschaftlichen und medizinischen Forschung geleistet. In der Wissenschaftsstadt Tsukuba ist ein Nebeneinander von einer Universität, einer Fachhochschule, 60 Forschungsinstituten unterschiedlicher Trägerschaft und angrenzenden Industrieparks mit teilweise ähnlichem Zweck zu beobachten. Die verstärkten Forschungsanstrengungen der japanischen Regierung zeigen Wirkung: So erfreuen sich japanische Forschungseinrichtungen international immer größerer Beliebtheit.


Internationalisierungsbestrebungen

2009 lag der Anteil der ausländischen Studierenden bei 4,3 % (in Deutschland bei 11,5 %), wobei die weitaus größten Gruppen aus China bzw. Südkorea kommen. Japanische Studierende zieht es verstärkt in die USA, nach Großbritannien und Australien, Deutschland folgt an 4. Stelle. Verschiedene Initiativen der JSPS (Japan Society for the Promotion of Science) sollen die Internationalisierung der Hochschulaktivitäten unterstützen, so z.B. das Programm „International Research Experience for Students and Young Researchers“, wodurch in fünf Jahren 15.000 bis 30.000 japanische Wissenschaftler/innen ins Ausland entsandt werden sollen, vorwiegend im Austausch zwischen Japan und Deutschland.
Trotz zahlreicher alter und neuer Förderprogramme durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) oder die Japan Society for the Promotion of Science (JSPS) gehen nach wie vor nur vergleichsweise wenige deutsche Studierende und Wissenschaftler/innen nach Japan (das JSPS fördert z.B. jährlich nur knapp 300 deutsche Wissenschaftler bei ihrem Auslandsaufenthalt). Vor diesem Hintergrund sollte verstärkt für die Zusammenarbeit mit japanischen Einrichtungen geworben werden.


Organisation des Studiums
Das akademische Jahr dauert von April bis März, wobei es unterbrochen wird durch Sommerferien (Mitte Juli – Ende September), Winterferien (kein Weihnachten! Mitte Dezember – Anfang Januar) und die Frühlingsferien (März / April). Daneben gibt es 14 nationale Feiertage im Jahr. An 210 Tagen im Jahr werden Unterricht und Prüfungen abgehalten. Prüfungszeiten für die Master- und Doktoranden-Programme werden durch die jeweiligen Fakultäten individuell festgesetzt. An Universitäten wird das Jahr in Semester unterteilt, an einigen Sprachschulen in Trimester. Studienanfang ist grundsätzlich zum Sommersemester. Die Lehrpläne sind sehr unterschiedlich und werden von den Einrichtungen selbst gestaltet. Die Betreuung durch die Lehrenden ist verglichen mit der an deutschen Universitäten relativ intensiv, da das zahlenmäßige Verhältnis von Professor/inn/en zu Studierenden insgesamt günstiger ist als bei uns.

Für die erfolgreiche Teilnahme werden, wie im amerikanischen Hochschulsystem, benotete Leistungsnachweise (Tan-i, credits) vergeben. Noten reichen von A (100-80%, sehr gut) über B (79-70%, gut) und C (69-60%, ausreichend) bis F (59- 0%, nicht bestanden). Zweimal im Jahr, nach Semesterende, finden schriftliche Prüfungen statt. Zum Abschluss des Bachelor-Studiums benötigt man 124 credits (in Medizin 188), für den Master- und Doktor-Abschluss jeweils mindestens 30 zusätzlich.


Studiengebühren
Die Studiengebühren an Sprach- und Hochschulen unterscheiden sich je nach Trägerschaft und Studiengang. Privatuniversitäten sind teurer als staatliche Universitäten, Grundstudien teurer als Graduiertenkurse und reguläre Studien teurer als z.B. Forschungsstudien.

An staatlichen Hochschulen sind pro Jahr sowohl für undergraduate- wie auch graduate-studies durchschnittlich 6.500 € (ca. 4.000 € Studiengebühren + ca. 2.500 € Immatrikulationsgebühren – Stand 2011) zu zahlen, an privaten Hochschulen differieren die Beträge abhängig von der Fachrichtung erheblich. Im Durchschnitt müssen etwa 8.500 € (ca. 6.000 € Studiengebühren + 2.500 € Immatrikulationsgebühren – Stand 2011) gezahlt werden. Die Ausbildung im Graduierten-Bereich ist jedoch erheblich günstiger.
Im Rahmen der Austauschprogramme werden die Studiengebühren sowohl für die Teilnahme an den Fach- als auch an den Sprachkursen erlassen. Stipendiat/inn/en des Monkashô erhalten ebenfalls einen Gebührenerlass, solche des DAAD bekommen die Gebühren erstattet. Selbstzahler/inne/n wird unter bestimmten Bedingungen Gebührenermäßigung gewährt.


Förderungsmöglichkeiten für Studien- /Forschungsaufenthalte
An staatlichen Hochschulen sind pro Jahr sowohl für undergraduate- wie auch graduate-studies durchschnittlich 6.500 € (ca. 4.000 € Studiengebühren + ca. 2.500 € Immatrikulationsgebühren – Stand 2011) zu zahlen, an privaten Hochschulen differieren die Beträge abhängig von der Fachrichtung erheblich. Im Durchschnitt müssen etwa 8.500 € (ca. 6.000 € Studiengebühren + 2.500 € Immatrikulationsgebühren – Stand 2011) gezahlt werden. Die Ausbildung im Graduierten-Bereich ist jedoch erheblich günstiger.
Im Rahmen der Austauschprogramme werden die Studiengebühren sowohl für die Teilnahme an den Fach- als auch an den Sprachkursen erlassen. Stipendiat/inn/en des Monkashô erhalten ebenfalls einen Gebührenerlass, solche des DAAD bekommen die Gebühren erstattet. Selbstzahler/inne/n wird unter bestimmten Bedingungen Gebührenermäßigung gewährt.


Förderungsmöglichkeiten für Studien- /Forschungsaufenthalte
Angesichts der hohen Lebenshaltungskosten und Studiengebühren in Japan kommt Förderprogrammen eine außerordentlich große Bedeutung zu. Stipendienprogramme bedeuten ja auch meist Vorteile beim Zugang zu Studien- plätzen und Praktikantenstellen, bei verlangten Bürgschaften und anderen indirekten Hindernissen. Diese Bedeutung wird unterstrichen durch den Umstand, dass trotz großen Interesses bei den Studienbewerbungen der Anteil an selbst zahlenden Studenten in Japan wesentlich kleiner ist als in anderen Zielländern.

Der DAAD vergibt eine ganze Reihe von Stipendien, beispielsweise Sprachstipendien für Studierende und Graduierte. Daneben wendet sich das knapp zweijährige, praxisorientierte Programm„Sprache und Praxis in Japan“ an Graduierte der Ingenieur-, Rechts-, Wirtschafts-und Naturwissenschaften. Außerdem leistet der DAAD einen Zuschuss zu den Monkashô-Stipendien deutscher Studierender und Graduierter. Das Monkashô-Stipendium, bei dem meist Graduierte zunächst für zwei Jahre als Kenkyûsei an eine japanische Universität gehen können und das relativ einfach in ein Promotions- studium umgewandelt werden kann, stellt das Förderprogramm des japanischen Erziehungsministeriums dar. Im Rahmen des Programms UdS-Mobil, das vom International Office der Universität des Saarlandes ausgeschrieben wird, sind Stipendienbewerbungen für ganz verschiedene Aufenthaltszwecke (Studium / Praktikum / Forschung) möglich. Informationen hierzu gibt es u.a. über die Webseite www.uni-saarland.de/uebersee

Es existieren von japanischer Seite Programme der JSPS für Post-Docs. Die Japan Foundation bietet ebenfalls eine Reihe von Förderprogrammen an. Verschiedene internationale Praktikantenorganisationen bieten weitere Fördermöglichkeiten im Rahmen des internationalen Praktikantenaustauschs. Einen umfassenden Überblick über alle für Japan relevanten Förderprogramme erhält man über die Stipendiendatenbank des DAAD.

Eine Finanzierung des Studiums durch Teilzeitarbeit scheint nicht ratsam, da das Studium in Japan i.d.R. alle Zeit in Anspruch nimmt und man leicht in Konflikt mit den Visabestimmungen kommen kann.


Informationen zu Forschungskooperationen mit japanischen Wissenschaftlern
In Japan gibt es zwei Forschungsförderungsorganisationen, die dem japanischen Erziehungs- und Wissenschaftsministerium (www.mext.go.jp) unterstellt sind. Da ist zunächst die Japan Science and Technology Agency (JST). Sie verfährt nach dem top-down Ansatz, d.h. die Forschungsbereiche werden je nach Schwerpunkt vorgegeben, die Bewerbung um die Mittel erfolgt im Wettbewerb. Partner der JST in Deutschland sind das BMBF und die DFG.

Als größte Förderorganisation gilt die bereits oben erwähnte Japan Society for the Promotion of Science (JSPS), die neben der nationalen Drittmittelforschung auch eine ausgeprägte internationale Förderlinie anbietet. Nach dem bottom-up Prinzip sind Anträge in allen Disziplinen möglich und nach einer Begutachtung werden Bewilligungen für die besten Anträge ausgesprochen.

In Zusammenarbeit mit der Alexander von Humboldt-Stiftung, dem Deutschen Akademischen Austauschdienst, der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Max-Planck-Gesesellschaft unterstützt JSPS kurz- und  langfristige Japanaufenthalte sowohl für Doktoranden als auch für Postdoktoranden und etablierte Wissenschaftler. Ebenfalls gibt es Förderinstrumente, die gemeinsame Vorhaben (zur Anbahnung oder Intensivierung) oder gar eine institutionelle Zusammenarbeit ermöglichen. Besonders erwähnenswert sind die deutsch-japanischen Graduiertenkollegs, die eine strukturierte Doktorandenausbildung mit Aufenthalten im jeweiligen Partnerinstitut beinhalten. Dieses Programm wird von der JSPS gemeinsam mit der DFG angeboten. Auskunft zu den Fördermöglichkeiten für Deutsche erteilt das JSPS Bonn Office (www.jsps-bonn.de).

Aus dem Kreise deutscher Wissenschaftler, die mit JSPS-Unterstützung in Japan gearbeitet haben, hat sich 1995 eine Alumnivereinigung, die "Deutsche Gesellschaft der JSPS-Stipendiaten e.V." gegründet. Mit mehr als 300 Mitgliedern aus den verschiedenen Disziplinen, bildet dieser Verein das Japan-Netzwerk in der deutschen Wissenschaft ab. Mit regelmäßigen Veranstaltungen und vielfältigen Aktivitäten erfüllt der Verein seinen Satzungsauftrag "Förderung des wissenschaftlichen Austausches zwischen dem deutschsprachigen Raum und Japan". Die Mitglieder sind durch aktive Kooperation mit ihren Kollegen in Japan über ein weites Fächerspektrum hinweg verbunden. Der Verein versteht sich deshalb auch als Anlaufstelle für den Weg nach Japan (www.jsps-club.de). In den vierteljährlich erscheinenden Mitteilungen "Neues vom Club" sowie mit eigenen Beiträgen im Magazin "Wissenschaft und Forschung - Japan" (www.network-for-science.net) berichtet der Verein über seine Aktivitäten und stellt die Tätigkeiten seiner Mitglieder vor.

Eine weitere Anlaufstelle ist das europäische Netzwerk CONCERT-Japan "Connecting and Coordinating European Research and Technology Development with Japan". Es ist als ERA-NET im siebten Forschungsrahmenprogramm der EU verankert und wird für drei Jahre bis 31. Dezember 2013 mit einem Zuschuss von zwei Millionen Euro gefördert. Als Instrument der Europäschen Kommission ist CONCERT-Japan darauf ausgerichtet, die wissenschaftliche und technologische Zusammenarbeit zwischen EU-Mitgliedstaaten und Japan effektiver und koordiniert zu gestalten. Dadurch soll die Zusammenarbeit weiter ausgebaut werden und bereits existierenden Kooperationen ein reibungsloserer Ablauf ermöglicht werden. (www.concertjapan.eu)


Lebenshaltungskosten


Japan ist mit seinen hohen Binnenmarktpreisen eines der teuersten Länder der Welt. Die monatlichen Lebenshaltungskosten (ohne Studiengebühren) eines ausländischen Studierenden müssen mit ca. 1.000,- bis 1.200,- € pro Monat veranschlagt werden, wobei es einige Vergünstigungen über den internationalen Studierendenausweis gibt.

Unterkunft

Die preisgünstigste Möglichkeit sind i.d.R. die Wohnheime der Hochschulen sowie privat geführte Wohnheime. Eine rechtzeitige Reservierung/Vermittlung mit Hilfe des International (Student) Centers der Hochschule empfiehlt sich. Informationen zur Vermittlung von Wohnheimplätzen erhält man über die Webseiten der Außenstelle des DAAD in Tokio und der Deutschen Industrie- und Handelskammer in Japan. Im Rahmen der Austauschprogramme werden unterschiedliche Wohnoptionen angeboten. Bei der Anmietung einer privaten Wohnung muss bei Bezug mit Kosten in Höhe von bis zu 3-6 Monatsmieten gerechnet werden, die nur teilweise rückerstattet werden. Im Stadtzentrum Tokios kostet ein ca. 20 qm großes Apartment mit Bad und Kochgelegenheit ca. 600,- bis 700,-€ plus Nebenkosten. Die Vermietung möblierter Wohnungen/Zimmer ist unüblich, gleiches gilt - außer unter in Japan lebenden Ausländern - auch für WGs.

Sprachliche Voraussetzungen
Für ein Vollstudium an einer japanischen Universität spielen zwei offizielle Sprachnachweise eine wichtige Rolle: Der Japanese-Language Proficiency Test (JLPT) und der Examination for Japanese University Admission for International Students (EJU). Der JLPT wird von der Japan Foundation und der Organisation  Japan Educational Exchanges and Services seit 1984 für Nicht-Muttersprachler/innen weltweit angeboten. Mehr als 770.000 Teilnehmer/innen pro Jahr legen diesen Test ab. Damit ist er der am weitesten verbreitete  Sprachnachweis für Japanisch weltweit.

Daneben existiert der EJU als formelle Zulassungsvoraussetzung für einen Studienaufenthalt in Japan. Er beinhaltet sowohl eine sprachliche wie auch eine fachbezogene Komponente als Teil der Bewerbungsformalitäten und gilt als Zugangsvoraussetzung.  

Im Rahmen der Austauschprogramme der Universität des Saarlandes werden keine offiziellen Sprachnachweise oder Zugangstests gefordert, es reicht der Nachweis der Japanisch-Kenntnisse durch das Japan-Lektorat des Sprachenzentrums.


Aufenthalt in Japan – wann und wie lange?
Dabei muss man unterscheiden, zu welchem Zweck man nach Japan möchte und welcher Zeitraum finanzierbar ist. Undergraduate studies sind sicherlich nicht sehr empfehlenswert, weil i.d.R. die entsprechenden Sprachkenntnisse fehlen. Ein Sprachaufenthalt mit Kursen zu Kultur und Landeskunde oder sogar in Kombination mit (englischsprachigen) Fachkursen ist in diesem Ausbildungsabschnitt eher von Vorteil (s. Austauschprogramme). Im Verlauf eines Master-Studiums kann der Besuch von englischsprachigen Veranstaltungen sinnvoll sein, über die jeweilige Anerkennung muss vorab mit den hiesigen Lehrstühlen gesprochen werden. Es bietet sich außerdem ein Forschungsaufenthalt von Doktorand/inn/en bzw. im Rahmen eines Praktikums an. Die entsprechenden Finanzierungsmöglichkeiten sind an anderer Stelle aufgelistet.

Ein Aufenthalt in Japan sollte frühestens nach dem 4. Semester eingeplant werden, um die erforderlichen Basiskenntnisse der japanischen Sprache erwerben zu können. Die Länge des Aufenthaltes hängt vom jeweiligen Zweck ab und kann zwischen wenigen Monaten und mehreren Jahren variieren. Im Rahmen der Austauschprogramme sind ein bis zwei Semester vorgesehen (Ausnahme: 3 Monatsprogramm am Doschisha Women’s College of Liberal Arts). Famulaturen und Lektorentätigkeit sind ebenfalls möglich.


Zukunftsperspektiven der Universitäten

Mittlerweile haben auch japanische Universitäten Spitzenpositionen in den einschlägigen internationalen Rankings erreicht und noch hat Japan eine der größten Hochschullandschaften der Welt.  Nach Einschätzung der meisten Experten ist diese Zahl jedoch zu groß: Über 40 Prozent der privaten Universitäten sind mittlerweile verschuldet, 46 Prozent erreichen die geplanten Immatrikulationszahlen nicht mehr. Um diesem Trend entgegen zu wirken, wurde das Ziel ausgegeben, bis zum Jahr 2020 zusätzlich 300.000 ausländische Studierende für Japan zu begeistern.

Der Plan sieht u.a. folgende Maßnahmen vor:

  • Erhöhung der Attraktivität des Hochschulstandorts Japan durch verbesserte Information, Beratung und japanische Sprachlehrangebote im Ausland
  • verbesserter Hochschulzugang für internationale Studierende durch intensivere Information, vereinfachte Hochschulzulassung und aufenthaltsrechtliche Regelungen vor der Einreise sowie verbesserte ausländerrechtliche Betreuung durch die Hochschulen
  • Förderung der Globalisierung der Universitäten durch spezielle Förderung von 30 Universitäten als „Zentren der Internationalisierung“, mehr englischsprachige Lehrangebote, Förderung von Doppelabschlüssen und Kurzzeitmobilität sowie Stärkung der internationalen Abteilungen der Universitäten
  • verbesserte Betreuung internationaler Studierender durch verbesserte Unterbringung, verbesserten Zugang zu japanischen Regierungsstipendien, Einbeziehung von lokalen Behörden und Wirtschaft und verbesserte japanische Sprachlehrangebote in Japan
  • verbesserte soziale Akzeptanz internationaler Studierender nach ihrem Studienabschluss durch Unterstützung von Regierung, Wirtschaft und Universitäten bei der Jobsuche beziehungsweise der Gründung von Unternehmen, verbessertes Aufenthaltsrecht und verbesserte Nachbetreuung der Studierenden nach deren Rückkehr ins Heimatland

Zurück