Japanisch - was ist das für eine Sprache?

Es gibt im deutschen Wortschatz erstaunlich viele japanische Wörter: „Kimono“ etwa oder „Manga“, „Geisha“ (man spricht es übrigens dreisilbig aus: ge-i-sha), „Sushi“ (das erste „s“ bitte stimmlos aussprechen, nicht stimmhaft) oder „Harakiri“ (interessanterweise gibt es dieses Wort so gar nicht im Japanischen und der gebräuchliche Ausdruck ist „seppuku“). Wer solche Wörter sammelt, hat schnell 30 oder 40 beisammen. Und schon ist der erste Schritt zum Erwerb jener Sprache gemacht, die so ganz anders ist als die indogermanischen Sprachen, übrigens auch ganz anders als das Chinesische. Von der Satzstruktur her weist das Japanische indes eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Koreanischen, dem Mongolischen und dem Türkischen auf. Anhand von sechs Fragen möchte ich Ihnen nun einen ersten Einblick in diese Sprache geben.

  • Wie viele Vokale hat das Japanische? Die japanische Sprache hat fünf Vokale: [i], [e]. [a], [o] und [ɯ]. Letzterer ist ein „u“-ähnlicher Murmelvokal, bei dessen Aussprache die Lippen nicht gerundet werden. Zusätzlich zu den fünf Vokalen hat das Japanische noch zwei Halbvokale: [j] und [w]. Die gelten als Konsonanten, doch aus japanischer Sicht sind es Vokalverbindungen. Der Halbvokal [j] ist aus der Verschmelzung von [i] und einem folgenden Vokal entstanden (vgl. „Yamaha“ oder „Yokohama“) und der Halbvokal [w], der übrigens wie das englische Double-u ausgesprochen wird, aus der Verbindung von [ɯ] und [a] (vgl. „Kawasaki“).

  • Wie viele Silben hat der japanische Firmenname „Kikkoman“? Die japanische Sprache kennt sechs Arten von Silben, die „Moren“ genannt werden.
    1. Vokal allein (z. B. „i“)
    2. Halbvokal + Vokal (z. B. „yo“)
    3. Konsonant + Vokal (z. B. „ke“)
    4. Silbe + Silbenschlussnasal „n“ (z. B. „i-n“, „yo-n“, „ke-n“. Dieses Schluss-„n“ nach einer Silbe ist genau so lang wie die Silbe selbst.
    5. Doppelkonsonant (k-k, s-s, t-t, p-p), wie in „Nikkei“, „Nissan“, „Nippon“. Dabei wird der Doppelkonsonant um die Länge einer Silbe hinausgezögert bzw. „gerieben" und erst dann losgelassen.
    6. Doppelvokal (im Schriftbild gekennzeichnet durch das Ausdehnungszeichen ^), wie in „Tôkyô“ oder – korrekt geschrieben – in „Kikkôman“. Auch hier verdoppelt sich die Lautlänge. Wie viele Silben hat „Kikkoman“ nun also? Nicht drei, wie Sie vielleicht zunächst vermutet haben, sondern sechs: ki-k-ko-o-ma-n.
  • Wie klingt die japanische Sprache? In einem japanischen Satz sind alle Silben bzw. Moren gleich lang. Überträgt man einen japanischen Satz in die Zeichensprache der Musik, so erscheint er als Phrase mit lauter gleich langen, nahezu unbetonten Noten.
    wa-      ta- shi    wa    a-    shi - ta    do-    i-    tsu   ni    i-    ki-    ma- s[u].
    ♪         ♪    ♪  -   ♪  -   ♪      ♪     ♪ -   ♪      ♪      ♪  -  ♪  - ♪     ♪      ♪      ♪.
    [wörtlich, höflich:] was mich betrifft – morgen – Deutschland – nach – gehen = Ich gehe/fahre/fliege morgen nach Deutschland.
    In diesem für nicht-japanische Ohren wohl recht monoton klingenden Satzgebilde gibt es in jedem Wort einen – allerdings sehr leichten – melodischen Akzent. Unabhängig davon, wie lang ein Wort ist, unterscheiden sich die erste und zweite Silbe immer geringfügig in der Tonhöhe voneinander. Und Unterschiede der Tonhöhe sind bedeutungsrelevant. Vielleicht kennen Sie das Wort „sake“. Richtig, es bedeutet „Reiswein“ (nicht Reisschnaps) – aber nur, wenn man die zweite Silbe „ke“ ein wenig erhöht ausspricht und dadurch leicht betont. Betont man hingegen die erste Silbe „sa“, bedeutet das Wort etwas anderes, nämlich Lachs.
  • Wie viele Zeichen muss man lernen? Es gibt drei verschiedene Schriftzeichensysteme in der japanischen Sprache. Zwei davon bestehen aus japanischen Silbenzeichen. Sie heißen Hiragana und Katakana. Bei dem dritten handelt es sich um chinesische Wortzeichen. Sie werden Kanji genannt.
    Die Silbenzeichen Hiragana und Katakana sind verhältnismäßig einfach zu erlernen. Beide Systeme enthalten jeweils 46, zusammen also 92 Zeichen. Kanji hingegen sind komplexere Wortzeichen. Um japanische Zeitungen lesen zu können, so heißt es in einer Leitlinie der japanischen Regierung, sollte man 1945 Kanji gelernt haben.
    Nun sind Sie vielleicht schockiert und fragen sich, wie Sie so viele Zeichen lernen können. Zu Ihrer Beruhigung kann ich Ihnen sagen, dass Kanji aus mehreren Bedeutungseinheiten bestehen. Man hat 214 dieser Bedeutungseinheiten, Radikale genannt, für die Klassifikation der Kanji zusammengestellt. Wer die erste Hälfte dieser Radikale systematisch gelernt hat, kann rasch 500 Kanji erkennen und damit bereits 60-70% eines japanischen Textes verstehen.
  • Wozu braucht man überhaupt drei verschiedene Zeichensysteme? Kanji verwendet man für Begriffe, Katakana für Fremdwörter, Hiragana für die Satzstruktur. Und so sieht unser Beispielsatz "watashi wa ashita doitsu ni ikimas[u]" aus, wenn wir ihn mit japanischen Zeichen schreiben. Da das Wort „doitsu“ (ドイツ, Deutschland) ein Fremdwort ist, wird es in Katakana geschrieben. Für die Begriffe „watashi“ (私 – die erste Person), „ashita“ (明日 – morgen) und „i(k)-“ (行 – das Gehen) verwendet man Kanji. Für „wa“ (は – Kennzeichnung des Satzthemas), für „ni“ (に – Kennzeichnung des Zielorts) und für „-(k)imas[u]“ (きます – Flexion des Verbs) benutzt man Hiragana:
    私 は 明日 ドイツ に 行 きます。
  • Wo in einem japanischen Satz stehen die wichtigen Informationen? Nehmen wir noch einmal unseren Beispielsatz „watashi wa ashita doitsu ni ikimas[u]“. Wie Sie bereits bemerkt haben, erscheint das Prädikat „gehen“ am Ende des Satzes. Wenn Sie die Aussage verneinen wollen, verändern Sie einfach den zweiten Teil des Prädikats von „-(k)imas[u]“ zu „-(k)imasen“. Sie können Ihrer Aussage also im allerletzten Moment noch eine andere Richtung geben. Auch die Zeitstruktur des Verbs müssen Sie erst am Satzende festlegen. Wenn Sie etwas in der Vergangenheit Abgeschlossenes bezeichnen wollen, dann verwenden Sie als Prädikatsanhang einfach „-(k)imashita“.

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